Warum vertrage ich Eisenpräparate nicht ?

Eisen ist ein lebenswichtiger Mineralstoff, der als Co Enzym (Mitwirker) für viele Prozesse im Körper zuständig ist. Der bekannteste ist der Sauerstofftransport in den roten Blutkörperchen. Aber auch die Schilddrüse braucht für eine gesunde Funktion einen ausreichenden Eisenspiegel. ( Bestandteil der TPO /Thyroxinperoxidase) Die Herstellung von Dopamin und Noradrenalin braucht ebenfalls Eisen um ausreichend Hormone produzieren zu können. (Abb1). Somit ist Eisen eines der wichtigsten Mineralstoffe in unserem Körper, die leider auch oft im Mangel sind.

Abbildung 1

nutricum-zentrum-fuer-darmgesundheit-mikrobiom-©phenylalanin

Der Mangel hat viele Gründe : fleischlose Nahrung, schlechte intestinale Resorption( Aufnahme im Darm), Stress , Schwangerschaft und Stillzeit und eine bakterielle Fehlbesiedelung im Darm (Dysbiose) oder SIBO.
Der Mangel wird leider erst viel zu spät bemerkt. Erst wenn die Dauermüdigkeit erdrückend ist, die Beine unruhig werden (Dopaminmangel), die Stimmung depressiv und die Schilddrüsenhormone in den Keller gehen, wird Eisen kontrolliert und als Eisentabletten substituiert.

Aber warum vertragen viele Eisen nicht so gut?

Ganz einfach. Der obere Teil des Dünndarmes, indem das meiste Eisen aufgenommen wird, hat eine maximale Aufnahmekapazität, die bei durchschnittlich 20 mg pro Tag liegt. (Tagesdurchschnitts Aufnahme 14 mg).
Wenn nun das restliche Eisen, welches vom Dünndarm nicht aufgenommen werden kann, weiter in den Dickdarm kommt, dient es als Nahrung für Bakterien, welche wir dann füttern und deutlich vermehren.
( Abbildung 2)
Leider sind das ganz häufig Bakterien, die wir in der Grössenordnung nicht wollen, da sie als Endprodukt Stoffe produzieren, die dem Darm schaden. Im besten Fall kommt es nur zur „Verstopfung“, da wir mit der Eiseneinnahme die Lactobacillen und Bifidusbakterien reduzieren. Im schlechtesten Fall befeuern wir die Bildung von Polypen. Durch die Eiseneinnahme entsteht aus einigen Darmbakterien Schwefelwasserstoff und Ammoniak. Diese Stoffe reizen die Schleimschicht auf den Darmzellen und es kann zu vermehrten Polypbildungen kommen.

Und jetzt?

Die Konsequenz daraus ist, dass man bei Dysbiosen und Darmproblemen Eisen über die Vene geben muss, um diesen Mechanismus grösstenteils zu umgehen. Aber aufgepasst, häufig fehlt bei Eisenmangel nicht nur das Eisen, sondern auch die B Vitamine und das Vitamin C. Bei sehr starkem dauerhaftem Eisenmangel fehlt dann auch Zink, da es ersatzhalber statt Eisen in das Hämoglobin eingebaut wird. Um all diese Probleme zu umgehen muss Eisen über die Vene gegeben werden und zusätzlich orale B Vitaminen ( Folsäure, B6,B3,B12) und Vitamin C eingenommen werden.
Achtung: aufgepasst mit zuviel Eisen!
Empfohlener wird eine Speichereisenwert von 70-150 ng/ml bei Frauen, Männern von 100-300 ng/ml.
Zuviel Eisen wirkt nicht nur stimulierend für „böse“ Darmbakterien, sondern wirkt im Körper auch prooxidativ, was bedeutet, dass Entzündungen unterstützt werden. Damit das nicht passiert, Eisen i.V. ( intravenös) eher in kleinen Dosierungen 2-3 x hintereinander geben als 1000mg i.V. in einem Rutsch. Manchmal können schon 500mg Eisen i.V. zu viel sein. Insbesondere wenn im Körper noch andere chronische Entzündungen ( Rheuma, tote Zähne)
bestehen und diese Entzündungen durch die hohe Eisengabe akut befeuert werden.

Abbildung 2
Link mit freundlicher Genehmigung B. Yilmaz

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